Der Anspruch unserer Leitmedien auf Informationsdiktatur

Nie hätte ich noch vor relativ kurzer Zeit den momentanen öffentlichen Schlagabtausch über „Fake News“ und das scheinbar angebrochene „postfaktische Zeitalter“ für möglich gehalten. An prominentester Stelle bombardieren der neu gewählte amerikanische Präsident und seine Helfer die ihnen nicht genehme Medienlandschaft mit Vorwürfen, vor allem mit unbegründeten. Verschwörungstheorien machen, in traditionellen Medien genauso wie im Internet, die Runde wie nie zuvor.

Außer in unseren Leitmedien. Denen scheint es weniger darum zu gehen, ob eine Nachricht, faktisch oder postfaktisch, richtig oder falsch ist. Sondern, ob es überhaupt eine Nachricht ist. Wenn SIE es nicht bringen, ist es keine Nachricht, es ist nicht wert, darauf einzugehen. Das ist jetzt selbst aber wieder keine Verschwörung, sondern offenes Programm. In seiner ersten Ausgabe 2017 (dort tituliert er sich selbst als „Dieses Scheißblatt!“) macht der SPIEGEL in seinem zum Titel gehörenden Hauptartikel klar, was er von einem Großteil seiner Leser, bzw. des sonstigen Publikums hält. Auf Seite 27 wird eine Studie zitiert, „der zufolge 80 Prozent der Amerikaner sagen, dass die Regierung mehr über Außerirdische wisse, als sie zugebe, in Worten: achtzig Prozent.“

Was natürlich heißt, Ufos gibt es nicht, alle, die welche gesehen haben, sind Spinner, alle Berichte darüber Fake News, und waren es schon immer. Heißt in Wirklichkeit, es sind deshalb Fake News, weil der SPIEGEL sie nicht bringt. Leitmedien von der Sorte SPIEGEL maßen sich an zu bestimmen, was News sind und was nicht. So einfach ist das. Natürlich werden alle Verschwörungstheorien in dasselbe Loch geworfen, egal ob sie jetzt komplett widerlegt sind (wie die Zweifel an der bemannten Mondlandung) oder sehr berechtigt scheinen, wie die Zweifel an der Einzeltätertheorie zur Ermordung John F. Kennedys. Ich hätte gedacht, dass der SPIEGEL vielleicht zum 30., 40. oder 50. traurigen Jubiläum dieser Tat (ja, so lange lese ich den SPIEGEL schon regelmäßig, und noch viel länger!) sich vielleicht einen Ruck gibt und veröffentlicht, was er darüber weiß (er weiß sicher mehr, als er zugibt…). Aber nichts.

In (der zur Niederschrift aktuellen) Nr. 9/2017, S. 40 – 42, interviewt der SPIEGEL den Tübinger Amerikanistik-Professor Michael Butter zum Thema Verschwörungstheorien. Der gibt immerhin zwei aufgedeckte Verschwörungen zu (den Mossadegh-Sturz durch die CIA und die bewusste Nichtbehandlung schwarzer amerikanischer Syphilis-Erkrankter). Aber beim Thema Kennedy ist es für Butter „ein weiter Schritt“ vom Untersuchungsergebnis des amerikanischen Kongresses, „dass Lee Harvey Oswald vermutlich nicht allein gehandelt hat…“ „…bis zu dem Verschwörungsszenario, dass das Ganze ein Staatsstreich war.“ Nur, wenn Oswald kein verwirrter, fanatischer Einzeltäter war, warum bringt dann eine „vermutliche“ Gruppe einen Präsidenten um, wenn nicht zum Zwecke eines Staatsstreichs? Und wenn es kein Staatsstreich war, warum wurde diese Gruppe nie gefasst? Warum ist die Sache bis heute unaufgeklärt?

„Aufklärerisch“ ist er, der Anspruch unserer Leitmedien. Nur leider meinen sie viel zu häufig, „nicht aufklären“, in dem man Verschwörungstheorien einfach durch Nichtbeachtung diskreditiert, wäre „aufklären“. Kein Wunder, sinken die Auflagen der Lückenpresse, die Zuschauerzahlen der Lückenglotze. Menschen mit Bedürfnis nach Informationen fühlen sich von diesen Medien gezielt nicht ernst genommen und dem Versuch der Umerziehung unterworfen, der Informationsdiktatur.